BN-Tagung Amphibienschutz – Höchste Zeit zum Handeln!

Pestizide und andere Gifte haben nicht nur eine verheerende Wirkung auf Pflanzen und Insekten, sondern auch auf Amphibien.

Foto: Kerstin Ellersdorfer

17.02.2018

Diese bislang wenig beachtete Tatsache bildete neben dem Praxisaustausch eines der Schwerpunktthemen der diesjährigen BN-Tagung zum Amphibienschutz am 17.Februar 2018 in Nürnberg.  Zu den rund 100 Teilnehmern gehörten auch Sabine Lanzner und Sascha Alexander vom BN Erding, die zugleich Mitglieder der neuen BN-Projektgruppe zum Schutz der „Gelbbauchunke“ im Landkreis Erding sind. In fundierten und zugleich besorgniserregenden Beiträgen erläuterten auf der Tagung unter anderem Marion Ruppaner, Landwirtschaftsreferentin beim BUND Naturschutz in Bayern e.V., und Dr. Dirk Schmeller, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ, in Leipzig den Stand der Forschung (Foto).

So wies Marion Ruppaner darauf hin, dass 2017 allein 48.000 Tonnen Pestizide (Wirkstoffe) ausgebracht wurden. Hinzu komme eine noch größere Menge an so genannten Hilfsstoffen, deren Unbedenklichkeit vorab von den Zulassungsstellen gar nicht geprüft werde müsse. Zudem betonte sie, dass diese Gifte sich mittlerweile überall im Lebenskreislauf wiederfinden. So sei heute beispielsweise Glyphosat nicht mehr nur im Boden oder in Baumrinden nachweisbar, sondern auch in allen größeren bayerischen Flüssen. Dr. Dirk Schmeller verwies auf wissenschaftliche Untersuchungen, nach denen Pestizide eine der Ursachen für den weltweiten Rückgang vieler Amphibienarten sind. Diese Gifte würden unter anderem das Immunsystem der Amphibien schwächen und sie dadurch anfälliger für Pilz- und Virusinfektionen  machen. Auch komme es zu Missbildungen und Entwicklungsstörungen und die Gifte würden den Tieren ihre Nahrungsgrundlage nehmen. Überraschend war ferner die Erkenntnis, dass Pestizide (also Pflanzenschutzmittel) auch Amphibien direkt töten können. Man müsse mehr für Amphibien tun, da sich immer deutlicher zeige, wie zentral ihre Rolle für das Funktionieren der Ökosysteme sei.

Es gebe viele Stellschrauben, mit denen man den Amphibien helfen könnte. Neben der weiteren Forschung und Ausweitung des Monitorings gehören zum Beispiel allgemein die Reduktion von Stressfaktoren, maßgeschneiderte Schutzmaßnahmen, ein besseres Wasser-Management und vor allem die Schaffung pestizidfreier Pufferzonen um die Laichgewässer und Feuchtgebiete zu den wichtigsten Maßnahmen. Eine große Hilfe und zugleich Möglichkeit zur Bestandserfassung seien laut der anwesenden Experten aus Deutschland und der Schweiz auch Amphibienzäune und fest verbaute Amphibienanlagen. Vor allem letztere würden vielerorts eine nachhaltig positive Wirkung auf die Bestände haben, während dies bei temporären Zäunen langfristig seltener der Fall sei. Auch wenn es natürlich eine ganze Reihe von Faktoren für den Rückstand von Populationen in Frage kommen, würden temporäre Zäune beispielsweise keinen ausreichenden Schutz für den herumwandernden Amphibiennachwuchs bieten. Trotzdem ist natürlich jede gerettete Kröte und jeder gerettete Frosch oder Molch wichtig, um dem Amphibiensterben entgegenzuwirken. Zwei Drittel aller Amphibienarten in Bayern sind heute bedroht.

Neben dem Gelbbauchunken-Projekt baut die BN-Ortsgruppe Erding seit vielen Jahren in Langengeisling einen Amphibienzaun auf.
Helfer beim Bau und der späteren Kontrolle sind herzlich willkommen!
Kontakt: Norbert Hufschmid    08122/5187   email:  huf.stein@t-online.de

Besuche auch  das neue Gelbbauchunkenportal:
https://www.gelbbauchunke-bayern.de/