Offener Brief an die Untere Naturschutzbehörde

Offener Brief an die Untere Naturschutzbehörde

02.12.2016

Sehr geehrter Herr Hildenbrand,
sehr geehrte Damen und Herren,
 
Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. hat in den letzten Tagen mehrfach Anfragen
und Beschwerden besorgter Bürger erhalten. Diese betreffen die umfangreichen und
radikalen Gehölzarbeiten am Notzinger Weiher, mutmaßlich die Flur-Nr. 169 – die
Presse berichtete bereits. Zudem handelt es sich um eine Fläche im Landschafts-
schutzgebiet „Notzinger Weiher und Umgebung“ (486.01).

Nach eigener Ortsbesichtigung können wir die Besorgnis der Bürger über die radi-
kale und nicht nachvollziehbare Entfernung von naturschutzfachlich wertvollen,
weil naturnahen Gehölzbeständen verstehen. So wurden beispielsweise mindestens
vier alte Silberweiden und sehr seltene Ulmen (Gefährdet nach Roter Liste Bayern)
entfernt. Zum Teil handelt es sich um Höhlenbäume, bei denen vor der Fällung eine
artenschutzrechtliche Prüfung erforderlich ist. Betroffen sind z.B. auch die streng
geschützten Vogelarten Wasserralle und Pirol.

Es drängt sich deshalb die Frage auf, ob hier eventuell Rechtsverstöße vorliegen.
Wir bitten deshalb um Auskunft zu folgenden Fragen.

  • Von wem wurde die Gehölzentfernung veranlasst?
  • Zu welchem Zweck?
  • Wurde eine artenschutzrechtliche Prüfung durchgeführt?
    Mit welchem Ergebnis?
  • Gab es hierzu ein planungsrechtliches Verfahren?
  • Ist eine Nutzungsänderung des Grundstückes vorgesehen und gab es hierfür
    eine Ausnahme von der LSG-Verordnung (Ggf. Bitte um Zusendung des
    Kreistagsbeschlusses und der Begründung)?
  • Da die „Aktion“ einen Eingriff in Natur- und Landschaft darstellt, bitten wir entsprechend der Beteiligungsrechte um Beteilung an dem Verfahren.
  •  Da im Gebiet einige europarechtlich geschützte Arten wie z.B. Abendseglerleben und etliche gefällte Bäume Habitatbäume zumindest für diese Art darstellen, bitten wir um Auskunft, ob, von wem und mit welchem Ergebnis die Bäume vor der Fällung geprüft wurden und wie der anzunehmende artenschutzrechtliche Eingriff überwunden werden soll.


Vielen Dank und mit freundlichen Grüssen,
Bund Naturschutz in Bayern
Kreisgruppe Erding
 
Manfred Drobny