Vogelkonzert am Notzinger Weiher

Viele große und kleine Naturliebhaber kamen zur diesjährigen Vogelstimmenwanderung des Bund Naturschutz Erding am Notzinger Weiher. Sie wurden dort mit einem vielstimmigen Frühlingsgesang begrüßt. Vielleicht zum letzten Mal, denn der Landkreis plant weitere massive Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet.

Über 20 Vogelarten und viele spannende Informationen machten die BN-Vogelstimmenwanderung am Notzinger Weiher zu einem besonderen Erlebnis für die rund 30 Teilnehmer. Foto: Gabriele Betzmeier

15.04.2018

Wie faszinierend ein Vogelkonzert sein kann, erlebten jetzt 30 Frühaufsteher aus dem Landkreis Erding und München, die zur Vogelstimmenwanderung des Bund Naturschutz zum Notzinger Weiher gekommen waren. Unter der Leitung von Sascha Alexander versuchte ein jeder, die Gesänge herauszuhören, was bei über zwanzig Arten an diesem Morgen gar nicht so einfach war. Eine Amsel und vielleicht den Buchfink erkennt wohl jeder noch, doch wie singen beispielsweise eine Sumpfmeise, ein Zaunkönig oder eine Singdrossel?

Zugleich erfuhren die Teilnehmer viel Interessantes über das Leben der Vögel, den Vogelzug und Vogelschutz. Letzterer muss dringend verstärkt werden, denn es steht nicht gut um unsere gefiederten Freunde und ihre Lebensräume. Viele der rund 248 Brutvogelarten in Deutschland sind heute selten und kommen nur lokal vor. Und selbst Allerweltsarten wie Spatz und Star sind in den letzten Jahren massiv zurückgegangen, zum Teil um über 40 Prozent. „Allein zwischen 1990 und 2009 sind 15 Prozent aller Brutpaare in Deutschland verschwunden, das entspricht in etwa 13 Millionen Brutpaaren. Zwar gibt es auch erfreuliche Zuwächse wie zuletzt beim Weißstorch, doch hat sich insgesamt die dramatische Entwicklung nicht verbessert“, kommentierte Sascha Alexander die Lage. Die Ursachen für das Verschwinden unserer Vögel seien vielfältig: die Zerstörung ihrer Lebensräume durch eine intensive Landwirtschaft und Pestizideinsatz, monotone Wirtschaftswälder, die grassierende Flächenversiegelung durch Straßen und Gewerbeparks und die Ordnungswut in unseren eigenen Gärten und Parks zählen ebenso dazu wie die illegale Vogeljagd auf den Zugrouten und die auch in Deutschland immer noch betriebene Tötung von Greifvögeln.

Bedroht ist auch die Vogelwelt am Notzinger Weiher, der zu den letzten Erholungsgebieten im Erdinger Umland zählt. Nach den Plänen des Landkreises soll im Landschaftsschutzgebiet ein Jugendzeltplatz entstehen und eine Neuanlange der Weiherumgebung erfolgen. Erhebliche Bau- und Infrastrukturmaßnahmen sowie weitere Abholzungen werden dem Gebiet seinem ursprünglichen Reiz nehmen und Mensch und Natur verdrängen, befürchtet nicht nur der Bund Naturschutz. BN-Kreisvorsitzende Gabriele Betzmeier machte auf der Wanderung noch einmal deutlich, dass niemand etwas gegen einen Jugendzeltplatz im Landkreis hätte, aber der Ort sei völlig ungeeignet. Man werde weiter für den Erhalt dieses Kleinods kämpfen. Zu Jahresbeginn sah sich der BN diesbezüglich gezwungen, Klage einzureichen, da angeforderte Planungsunterlagen nicht übersendet wurden. „Niemand versteht den Sinn dieses teuren Vorhabens, die Leute sind entsetzt und befürchten, ihren geliebten Notzinger Weiher zu verlieren.“ Und auch eine weitere Vogelstimmenwanderung zwischen Baumaschinen und Freizeitanlagen im kommenden Jahr mache dann wohl wenig Sinn, denn die Vögel werden verschwunden sein.