Von Erding in den Bergwald

Die Jahresexkursion der Ortsgruppe Erding des Bund Naturschutz (BN) ging dieses Jahr in das Bergwaldparadies nach Inzell/Adlgass in Berchtesgaden. Gleich drei Förster erklärten diesen faszinierenden Lebensraum.

Üppige Wälder, alte Tannen, ein verträumter Bergsee, Schmetterlingswiesen – das Bergwaldparadies bei Inzell/Adlgass machte die BN-Tour zu einem ganz besonderen Erlebnis für alle Sinne. Zugleich erfuhren die rund 30 Teilnehmer viel über die eine nachhaltige Nutzung der Wälder, die Wiederansiedlung der vielerorts in Bayern verdrängten, aber seit Jahrtausenden heimischen Tanne, über Klimawandel, Wasserschutz und die allgemeine Lage der Wälder in Bayern. Die drei Experten vor Ort waren Dr. Daniel Müller, Betriebsleiter des Forstbetriebs Berchtesgaden, Georg Berger, Staatsförster am Forstamt Inzell, sowie Karl-Heinrich Knörr, pensionierterFörster aus Walpertskirchen, der zusammen mit Sascha Alexander vom Bund Naturschutz Erding die Exkursion leitete.

Der Bergmischwald in Inzell steht zugleich für den überall in Bayern anstehenden bzw. dringend nötigen Umbau der Wälder: Dieser zielt darauf ab, frühere Sünden wie krankheits- und schädlingsanfällige Fichten-Monokulturen durch einen standortgerechten Baummischbesatz zu ersetzen. Zur Erinnerung: Erst kürzlich schlugen die Waldbesitzer im Landkreis Erding Alarm, wie sehr der sich durch Monokulturen und milde Winter rasant ausbreitende Borkenkäfer die Waldwirtschaft bedrohe!

In Adlgass ist man dank des Engagements der Forstverwaltung dem Ziel eines natürlichen und nachhaltig bewirtschafteten Bergwaldes aus Tanne, Buche und Fichte schon sehr nah. Dies ging nicht ohne Kampf und Widerstände, vor allem wenn es um die Tanne ging. Wurde der Baum einstmals als weniger ergiebiger Baum für die in Berchtesgaden betriebenen Salinen zu Gunsten der Fichte zurückgedrängt, so ist es heute vor allem der viel zu hohe Wildbesatz, der durch Verbiss den Aufwuchs junger Tannen verhindert. Anders als in den meisten anderen Revieren in Bayern, wo regelmäßig massiver Widerstand seitens der Jagdpächter und Trophäenjäger eine Besserung verhindert, konnte hier die Bejagung so intensiviert werden, dass sich nicht nur die Tannen erholten, sondern trotzdem auch eine gesunde Hirsch- und Rehpopulation entstand.

Im Bergwald Inzell werden abgestorbene Bäume teilweise auch im Wald belassen, um so vielerlei Insekten und Tieren einen sicheren Lebensraum bieten. So wird auch die Humusschicht des Waldbodens erhalten: wir erfuhren einiges über die Bedeutung einer gesunden Erdschicht, auch im Bergwald.

Vielfältige Sträucher siedelten sich an und so ist inzwischen ein artenreicher Mischwald entstanden, schön strukturiert in den verschiedenen Schichten.

Neben spannenden Diskussionen und Wissensvermittlung kam natürlich auch der Genuss auf der Tour nicht zu kurz: Die Teilnehmer erfreuten sich bei schönsten Wanderwetter an den vielen Blumen, einem sonnigen Päuschen auf der Gaßlalm und einem gemütlichen Ausklang im Biergarten im Wirtshaus Adlgass.